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01. Okt 2020 Kategorie: Whitepaper
Lesezeit 4 Min

Zahlungen schneller abwickeln mit der Blockchain-Technik: Der Traktoren-Hersteller Lindner testet dies bereits.

Künftig können Bezahltransaktionen mittels der Blockchain-Technologie ohne Papierkram und Personalaufwand ablaufen. Das Startup Cash on Ledger hat einen voll automatisierten Zahlungsvorgang entwickelt, der den Maschineneinsatz direkt mit dem Finanzkreislauf verbindet. „Das Modell Pay per Use gibt es schon länger und ist besonders bei Großanlagen wie Turbinen und Druckanlagen im Einsatz. Der Kunde zahlt nur dann, wenn er die Maschine tatsächlich auch nutzt. Das Problem ist, dass der ganze Prozess derzeit nicht bis zum Ende digital abgebildet wird“, sagt Maximilian Forster, Gründer von Cash on Ledger.

Genau diesen Systembruch zum Finanzkreislauf beseitigt die Kölner IT-Firma mit der Datenkette und dem programmierbaren Euro. Abrechnung, Zahlung und Buchhaltung können fortan in den Gesamtprozess eingebunden werden. Statt vieler manueller Schritte läuft ein sogenannter Machine-to-Machine-Bezahlvorgang. Die Transaktionen über den Blockchain-Euro werden über ein Firmenkonto im klassischen Finanzsystem verrechnet. „Anfang kommenden Jahres werden vermutlich die ersten Angebote der Banken mit dem digitalen Euro auf den Markt kommen. Derzeit wird die Software getestet, aus der dann die Bankprodukte für Unternehmen entwickelt werden“, sagt Professor Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management, der die Entwicklung des Geschäftsmodells wissenschaftlich begleitet.

Mitarbeiter für die Rechnungserteilung braucht es nicht mehr

In Deutschland arbeiten aktuell mehrere Banken aktiv an der Umsetzung, mit dabei sind die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg. Die Finanzwirtschaft vollzieht mit diesem Schritt den logischen Anschluss an die Industrie 4.0, in der die Produktionsanlagen und Maschinen vernetzt und in eine digitale Infrastruktur eingebunden sind.

In der Praxis angekommen ist dies schon beim österreichischen Traktorenhersteller Lindner, einem Tiroler Familienbetrieb mit 82 Millionen Euro Umsatz. „Wir erhalten durch die Integration der Telematiksysteme unserer Traktoren bei Cash on Ledger völlige Transparenz zu Einsatz und Kosten unserer Fahrzeuge. Wir sehen, wann der Traktor etwa mit Mähwerk auf den Wiesen fährt oder bloß zum Transport genutzt wird, und können die Stundentarife entsprechend differenzieren“, sagt David Lindner, Marketingverantwortlicher bei Lindner Traktoren und Projektpartner von Cash on Ledger. Und so funktioniert die Innovation: Die Telemetrie-Einheiten der Nutzfahrzeuge sammeln Sensor-Signale und schicken diese Nutzungsdaten an Cash On Ledger. „Wir lesen die Datensätze aus, sortieren sie nach dem gewünschten Abrechnungsmodell, also bei Lindner nach Nutzungsart und Stunden, und erstellen eine Forderung sowie tagesaktuelle Rechnung“, sagt Serkan Katilmis, Co-Gründer von Cash On Ledger. Zeitgleich werde diese Abrechnung in das ERP-System des Maschinenbauers übertragen. Statt einen Traktor für 100 000 Euro zu kaufen, der häufig unausgelastet auf dem Hof steht, kann eine Kommune zum Beispiel ein Nutzfahrzeug mit dem programmierbaren Euro mieten. Werden zehn Kilometer mit dem Traktor gefahren, um Streugut im Winter zu verteilen, kommt nach zehn Kilometern in Echtzeit die Rechnung und wird sofort verarbeitet. Inkludiert im Mietpreis der Lindner-Kunden ist die Versicherungsprämie für die Nutzfahrzeuge, Betriebsmittel wie Treibstoff sind nicht dabei. Das Geschäftsmodell wurde mit der R+V Versicherung aufgesetzt, Fujitsu und Infineon sind IT-Partner.

Auf Wunsch von Lindner kommt ein Prepaid-Verfahren zum Einsatz, die Kunden müssen vor dem Start einen gewissen Eurobetrag überweisen, über den die Abrechnung erfolgt. Die Verständigung zum Aufladen wird mittels Push-Notifikation an die Traktoren-Nutzer verschickt. Wird nicht gezahlt, kann die Maschine vom Netz genommen werden. „Das ist Prozess-integration wie im Bilderbuch und bringt höhere Qualität, schnellere Durchlaufzeiten und geringere Transaktionskosten“, beschreibt Sandner die Vorteile des digitalen Euros.

Deutschland liege bei der digitalen Währung mit mehreren Kooperationen weit vorne in Europa, so der Experte, die Cash On Ledger-Lindner Kooperation unter den Top drei von zehn Projekten dieser Art. „Die Lösung vereinfacht unser Geschäfts-modell deutlich. Wir werden den Arbeitsaufwand für Vermietungen auf ein Drittel reduzieren können, was uns die Möglichkeit gibt, die Kapazitäten zu erweitern“, sagt Lindner, der durch die Blockchain-Nutzung Kostensenkungen für seine Kunden anstrebt. Bislang standen in Kuchl von 1200 produzierten Traktoren und Transporter im Jahr lediglich 20 zur Vermietung bereit, der Verwaltungsaufwand beschäftigte eine Vollzeitkraft. Mit der Systemvereinfachung durch die Blockchain steigt die Flotte nun auf 70 Fahrzeuge. Den Bereich will der Maschinenspezialist – aufgrund der hohen Nachfrage zu Mietmodellen in der Landwirtschaft – künftig stärker forcieren.

Cash On Ledger bewirbt die Dienstleistung als zusätzlichen Absatzkanal für große Anlagen- und Maschinenbauer. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine nutzungsbasierte Abrechnung ein Modell, dass für alle Unternehmen interessant ist. Die hohen Anschaffungskosten von gut 150 Millionen Euro für eine Anlage müssen erst einmal finanziert werden“, sagt Forster, der gemeinsam mit Partner Katilmis in der Unternehmensberatung digitale Transformationsprojekte verantwortet.

Eine Kreditfinanzierung bindet zudem wichtiges Kapital über Jahreund ob sich die Investition tatsächlich überhaupt auch rentiert, ist unklar. Eine Mietoption schont die Eigenkapitalquote und die Kunden können immer mit den modernsten Anlagen arbeiten. Der monatliche Cashflow wird allerdings durch die Zahlungen belastet. Gegenüber der herkömmlichen Leasingvariante bietet die nutzungsbasierte Abrechnung einen flexibleren Leistungsabruf und die langfristige Vertragsbindung entfällt.

Als Hersteller erhält Lindner regelmäßige Mieteinnahmen für das Investitionsgut, das ohne Verkauf weiterhin in seiner Bilanz steht. „Cash on Ledger ist ein tolles Angebot für die Industrie. Der Ball liegt nun bei den Unternehmen, die dafür geeignete Geschäftsmodelle entwickeln müssen“, so Sandner. Bis sich das Konzept in der Breite etabliere, werde es allerdings noch Jahre dauern, so der Blockchain-Experte.

Authoren

Christiane Kaiser-Neubauer

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