{"id":752,"date":"2022-03-30T05:16:17","date_gmt":"2022-03-30T03:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/?post_type=insights&#038;p=752"},"modified":"2022-04-14T21:38:24","modified_gmt":"2022-04-14T19:38:24","slug":"digitales-geld-welche-optionen-hat-europa","status":"publish","type":"insights","link":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/ratgeber\/digitales-geld-welche-optionen-hat-europa\/","title":{"rendered":"Digitales Geld: Welche Optionen hat Europa?"},"content":{"rendered":"\n<p>Gastbeitrag in der Zeitschrift f\u00fcr das gesamte Kreditwesen, Dezember 2020<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1 Geld und digitales Geld<\/h3>\n\n\n\n<p>Digitales Geld ist an sich nichts Neues. Die Umgestaltung von analogen Prozessen mit vielen ma\u2010 nuellen Bearbeitungsschritten und mehreren Systembr\u00fcchen in digitale automatisierte Abl\u00e4ufe nahm im volumenstarken Zahlungsverkehr bereits in den 1980er Jahren Fahrt auf. Zu den materi\u2010 algebundenen Formen barer (Banknoten, M\u00fcnzen) und unbarer (Wechsel, Scheck) Zahlungsmittel trat das elektronisch \u00fcbertragbare Giralgeld. Guthaben auf Girokonten k\u00f6nnen heute per Karte oder \u00dcberweisung, per Online-Banking oder Smartphone, mittlerweile auch in Sekunden vom Zahler zum Empf\u00e4nger \u00fcbertragen werden. Dieses \u2013 auch digitale \u2013 Giralgeld ist freilich nicht ge\u2010 meint, wenn heute von der m\u00f6glichen Emission digitalen Geldes gesprochen wird. Gemeint ist eine Erweiterung zum heutigen Angebot an Geld, die gleichsam als digitale Erg\u00e4nzung wie Bar\u2010 geld dienen kann oder die im weitesten Sinne in dezentralen blockchain-basierten Netzwerken umlaufen kann, also digital \u00fcbertragbare Token.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Bitcoin wurde nicht nur ein neues dezentrales Zahlungsverkehrssystem basierend auf der<br>\u201eDistributed Ledger\u201c-Technologie (DLT) entwickelt, sondern zugleich auch eine digitale Wertein\u2010 heit, die zur \u00dcbertragung verwendet wird, der Bitcoin. Da die \u00dcbertr\u00e4ge oder Transaktionen innerhalb dieses Netzwerks anhand eines technischen Protokolls erfolgen, das auf kryptogra\ufb01\u2010 schen Verfahren basiert, wird diese Art Token als \u201eKrypto-Token\u201c bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die DLT erlaubt die f\u00e4lschungssichere \u00dcbertragung digitalisierter Werte ohne Intermedi\u00e4r. Po\u2010 tenziell bietet die DLT Vorteile durch die gemeinsame Datenhaltung, was unter anderem Abstim\u2010 mungsprozesse bei komplexen arbeitsteiligen Wertsch\u00f6pfungsketten erleichtern kann. Dadurch k\u00f6nnten die Transaktionskosten in der Abwicklung solcher Gesch\u00e4fte deutlich sinken.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich mit der Nutzung der DLT gro\u00dfe Hoffnungen verbinden, kamen die so bereitgestell\u2010 ten Krypto-Token bislang nicht \u00fcber eine Nischenfunktion in einigen dezentralen Netzwerken und eine Rolle als Spekulationsobjekt hinaus. Denn sie erf\u00fcllen de facto die drei Geldfunktionen \u2013 Zah\u2010 lungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit \u2013 nicht. Das liegt vor allem an der hohen Volatilit\u00e4t ihres Wertes gegen\u00fcber von Zentralbanken herausgegebenen W\u00e4hrungen oder Waren und Dienstleistungen. Hinzu kommen gro\u00dfe Zweifel in Bezug auf die Werthaltigkeit. Krypto-Token werden praktisch ex nihilo geschaffen, sie haben keinen intrinsischen Wert. Sie repr\u00e4sen\u2010 tieren weder ein Gebrauchs- oder Verbrauchsgut, noch haben sie einen zuverl\u00e4ssigen Emittenten, der f\u00fcr sie haftet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Euro, das hei\u00dft Euro-Zentralbankgeld, hingegen wird von einer gesetzlich damit beauftragten Institution, der Europ\u00e4ischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken des Euroraums (Euro\u2010 system) herausgegeben. Der Euro ist eine Verbindlichkeit des Eurosystems mit seinen Zentralban\u2010 ken, darunter die Bundesbank. Euro-Zentralbankgeld gilt heute als das sicherste und zugleich wertstabilste Zahlungsmittel im Euroraum. Euro-Zentralbankgeld steht bislang in zwei Formen zur Verf\u00fcgung: Als Bargeld f\u00fcr jedermann und als Guthaben auf einem Zentralbankkonto f\u00fcr Banken. Daneben gibt es Gesch\u00e4ftsbankengeld, denn die Banken spielen im Geldkreislauf eine entschei\u2010 dende Rolle. Sie bieten Einlagem\u00f6glichkeiten auf Konten an und versorgen die Wirtschaft mit Bar\u2010 geld, das gegen Kontoguthaben dort abgehoben werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einlagen bei Gesch\u00e4ftsbanken sind heute der gr\u00f6\u00dfte Teil der umlaufenden Geldmenge. Sie stellen Verbindlichkeiten der Gesch\u00e4ftsbanken dar, sind also Gesch\u00e4ftsbankengeld. Sie sind aber praktisch genauso wertstabil wie Zentralbankgeld, weil sie eins-zu-eins in Bargeld umgewandelt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der privaten Haushalte ist es unerheblich, ob es sich um Gesch\u00e4ftsbankengeld oder Zentralbankgeld handelt, zumal Einlagen bis zu 100.000 Euro inner\u2010 halb der Europ\u00e4ischen Union von der Einlagensicherung gedeckt sind. Deshalb werden die meis\u2010 ten Zahlungen von Unternehmen und Haushalten in Gesch\u00e4ftsbankengeld abgewickelt, w\u00e4hrend Banken f\u00fcr ihre gro\u00dfen \u00dcbertragungen, etwa bei der Abwicklung von Wertpapiergesch\u00e4ften, si\u2010 cheres Zentralbankgeld in der Abwicklung bevorzugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die DLT kommen nun neue Anforderungen an das Geld als Transaktionsmittel hinzu. Damit ist es n\u00e4mlich m\u00f6glich, sogenannte programmierbare Zahlungen zu nutzen. Programmierbare Zahlungen sind \u00dcbertr\u00e4ge von Geld, bei denen Zeitpunkt, Betragsh\u00f6he und\/oder Art des \u00dcber\u2010 trags nicht ad hoc beim Zahlungsvorgang, sondern durch vorab festgelegte Bedingungen be\u2010 stimmt werden. Begrenzt geht das schon heute, etwa bei regelm\u00e4\u00dfigen Zahlungen per Dauerauf\u2010 trag; hier werden Zahlungen zu bestimmten Kalenderterminen ausgel\u00f6st. In den dezentralen Netz\u2010 werken lassen sich allerdings komplexe Gesch\u00e4ftsprozesse automatisiert durch sogenannte Smart Contracts steuern. Um das auch geldseitig zu erm\u00f6glichen, bedarf es programmierbarer Zahlun\u2010 gen oder programmierbaren Geldes.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile hat die Wirtschaft zahlreiche Anwendungsf\u00e4lle f\u00fcr die Abwicklung von Gesch\u00e4ften mittels der DLT entwickelt, so dass ein Bedarf f\u00fcr programmierbare Zahlungen besteht. Dazu ge\u2010 h\u00f6ren z.B. (zum Beispiel) Machine-to-machine-Zahlungen, bei denen Maschinen automatisch er\u2010 brachte Leistungen miteinander verrechnen und begleichen, nat\u00fcrlich letztlich auf Rechnung ihrer Besitzer. Analog dazu werden Pay-per-use-Modelle entwickelt, die einen Kauf \u00fcber\ufb02\u00fcssig machen und bei denen eine automatische Abrechnung nach Verbrauch erfolgt, zum Beispiel die Bezahlung eines M\u00e4hdreschers f\u00fcr die Zeit seiner Inanspruchnahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit zur Einbettung in programmierbare Anwendungen ist das eigentlich neue Merk\u2010 mal des Geldes, das in dezentralen Netzwerken genutzt werden kann. Sie erst erlaubt die Nutzung der DLT f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Abwicklung von Gesch\u00e4ftsprozessen. Diese Variante wird als programmierbares oder tokenisiertes Geld bezeichnet. Nur dieses kann in programmierbaren Prozessen verwendet werden, w\u00e4re also die weitergehende Innovation. Digitales Geld im Sinne einer digita\u2010 len Erg\u00e4nzung zum Bargeld hingegen muss nicht programmierbar ausgestaltet sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2 Formen programmierbarer Zahlungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Folgenden werden f\u00fcnf Formen programmierbaren Geldes bzw. (beziehungsweise) program\u2010 mierbarer Zahlungen vorgestellt, um die Optionen aufzuzeigen: Erstens Krypto-Token bzw. (beziehungsweise) Stable Coins, zweitens digitales Gesch\u00e4ftsbankengeld, drittens Trigger-L\u00f6\u2010 sungen sowie viertens und f\u00fcnftens digitales Zentralbankgeld, und zwar entweder f\u00fcr einen be\u2010 grenzten Nutzerkreis oder f\u00fcr jedermann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3 Krypto-Token bzw. (beziehungsweise) Stable Coins<\/h3>\n\n\n\n<p>Einige der oben beschriebenen Krypto-Token erm\u00f6glichten als erstes die Zahlungsabwicklung in dezentralisierten Netzwerken in programmierbarer Form. Angesichts der grundlegenden Pro\u2010 bleme in Form der Instabilit\u00e4t und des fehlenden intrinsischen Wertes ohne verl\u00e4ssliche Emittenten d\u00fcrfte ihre Verwendung auch dauerhaft auf Nischenaspekte beschr\u00e4nkt bleiben, dabei teilweise leider auch f\u00fcr illegale oder illegitime Transaktionen. Um dem Manko der mangelnden Wertstabili\u2010 t\u00e4t zu begegnen, wurden deshalb sogenannte Stable Coins geschaffen. Ihr Wert sollte unter ande\u2010 rem durch Bindung an eine von einer Zentralbank herausgegebene W\u00e4hrung und durch Hinterle\u2010 gung mit derselben stabilisiert werden. Ob dies gelingt, h\u00e4ngt nicht zuletzt vom konkreten Besi\u2010 cherungskonzept ab. Es sind mehrere Formen denkbar, wie solche Zahlungsmittel rechtlich gestal\u2010 tet werden k\u00f6nnen. Nach derzeitigem europ\u00e4ischem Recht k\u00f6nnte es sich beim Herausgeber eines Stable Coins um ein E-Geld-Institut handeln. Dann freilich m\u00fcssten die R\u00fcckzahlungsanspr\u00fcche der Nutzer garantiert sein und weitere Forderungen der E-Geld-Richtlinie erf\u00fcllt werden. Es ist ebenso denkbar, dass Stable Coins als Geldmarktfonds organisiert werden, dann unterliegen sie dem ent\u2010 sprechenden Wertpapierrecht und nicht zuletzt k\u00f6nnte das verwendete digitale Geld auch eine Verbindlichkeit f\u00fcr das emittierende Institut darstellen. Dann jedoch w\u00e4re der Emittent eine Bank, und es handelte sich um digitales Gesch\u00e4ftsbankengeld. Um die Herausgabe von Stable Coins in der Europ\u00e4ischen Union neu zu regeln, ist gerade eine neue Verordnung in Vorbereitung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Digitales Gesch\u00e4ftsbankengeld<\/h3>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4ftsbanken k\u00f6nnten f\u00fcr ihre Kunden Geld auch in tokenisierter Form zur Verf\u00fcgung stellen. Rechtlich h\u00e4tten die Kunden wie heute bei ihren Kontoguthaben eine Forderung gegen\u00fcber der herausgebenden Gesch\u00e4ftsbank. In praktischer Hinsicht w\u00e4re ein solcher von Gesch\u00e4ftsbanken herausgegebener, auf die o\ufb03zielle W\u00e4hrung lautender Token von besonderem Nutzen, wenn Zah\u2010 lungen mit diesem Token von allen Gesch\u00e4ftsbanken eines W\u00e4hrungsraums akzeptiert w\u00fcrden. Banken k\u00f6nnten diese neue Form von Gesch\u00e4ftsbankengeld im Tausch f\u00fcr Kontoguthaben und\/oder Bargeld herausgeben.<br>Damit eine allgemeine Akzeptanz dieses neuen Geldtyps m\u00f6glich w\u00fcrde, m\u00fcsste sich der Ge\u2010 sch\u00e4ftsbankensektor aber auf einheitliche technische Standards verst\u00e4ndigen und eine rechtliche Konstruktion entwickeln, die es erlaubt, die mit dem Token verbundene Forderung nicht gegen\u2010\u00fcber einzelnen Gesch\u00e4ftsbanken geltend zu machen, sondern zum Beispiel gegen\u00fcber einer ge\u2010 meinsamen rechtlichen Einheit. Dazu w\u00e4re vermutlich die Gr\u00fcndung einer Zweckgesellschaft not\u2010 wendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei digitalem Gesch\u00e4ftsbankengeld k\u00f6nnte die Ausfallsicherheit wie heute bei jedem Kontogutha\u2010 ben auf bis zu 100.000 Euro begrenzt werden. Damit w\u00e4re f\u00fcr eine Vielzahl von Transaktionen aus Sicht der Nutzer ausreichend Sicherheit geboten. Das Risiko k\u00f6nnte durch h\u00e4u\ufb01ges untert\u00e4giges Clearing und anschlie\u00dfendes Begleichen der Nettoforderung in Zentralbankgeld reduziert werden. Inwieweit eine Einbeziehung in die bisherigen Clearing-Strukturen sinnvoll ist, w\u00e4re nicht zuletzt unter Kosten- und Aufsichtsgesichtspunkten zu er\u00f6rtern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Herausforderung bei digitalem Gesch\u00e4ftsbankengeld ist der hohe Koordinati\u2010 onsaufwand, der damit f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsbanken verbunden ist. Denn hier m\u00fcssten Wettbewerber im Euroraum sich zu einer neuen und weitreichenden Kooperation zusammen\ufb01nden, was m\u00f6gli\u2010 cherweise nur unter sehr hohem externen Druck vorstellbar w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trigger-L\u00f6sungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit Trigger-L\u00f6sungen sind technische Br\u00fccken zwischen DLT und konventionellen Zahlungssyste\u2010 men gemeint. Bei einer DLT-basierten Abwicklung von Gesch\u00e4ften stehen im einfachsten Fall ein Asset-Token, der das digitalisierte Gut repr\u00e4sentiert, und ein Geld-Token zur Verf\u00fcgung. In Trigger- L\u00f6sungen wird dieser Geld-Token aber durch eine Zahlungsanweisung substituiert. Sobald alle Be\u2010 dingungen f\u00fcr den Waren\u00fcbergang erf\u00fcllt sind, blockiert der Smart Contract den Asset-Token und initiiert (\u201etriggert\u201c) eine Zahlung \u00fcber den konventionellen Zahlungsverkehr. Sobald die Zahlung erfolgt ist, sendet der Betreiber des Zahlungssystems eine signierte Zahlungsbest\u00e4tigung in die DLT. Daraufhin gibt der Smart Contract den Asset-Token frei, und das Gesch\u00e4ft ist geld- und wa\u2010 renseitig abgewickelt. Der Geld-Token wird also durch eine tokenisierte signierte Zahlungsbest\u00e4ti\u2010 gung ersetzt. Die geldseitige Abwicklung des Gesch\u00e4ftes kann entweder in Gesch\u00e4ftsbankengeld oder in Zentralbankgeld erfolgen. Im ersten Fall m\u00fcsste die DLT mit einem Clearinghaus der Ge\u2010 sch\u00e4ftsbanken verbunden werden, im zweiten Fall mit TARGET2 oder TIPS (Target Instant Payment Settlement).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Trigger-L\u00f6sung mit Anbindung an ein Zahlungssystem der Zentralbank h\u00e4tte den Vorteil, dass die bestehende Arbeitsteilung zwischen Zentralbank und Gesch\u00e4ftsbanken praktisch unver\u00e4ndert bleibt. Es k\u00f6nnte in Zentralbankgeld zu den derzeitigen Bedingungen abgewickelt werden, ohne tokenisiertes Zentralbankgeld zu schaffen. Insbesondere m\u00fcsste der Zugang zu Zentralbankgeld nicht erweitert werden. Eine solche Trigger-L\u00f6sung d\u00fcrfte einige Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle f\u00fcr programmier\u2010 bare Zahlungen f\u00fcr die Real- und die Finanzwirtschaft abdecken. Nicht zuletzt sollte eine solche Trigger-L\u00f6sung relativ schnell implementierbar sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Digitales Zentralbankgeld<\/h3>\n\n\n\n<p>Zentralbankgeld unterscheidet sich von Gesch\u00e4ftsbankengeld dadurch, dass die Forderung gegen\u2010 \u00fcber der ausfallsicheren Zentralbank besteht. Digitales Zentralbankgeld w\u00e4re neben Bargeld und Kontoguthaben von Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank eine zus\u00e4tzliche Form von Zentralbank\u2010 geld. In einer Variante w\u00fcrde die Zentralbank den Gesch\u00e4ftsbanken die o\ufb03zielle W\u00e4hrung von der Zentralbank in tokenisierter Form anbieten, die f\u00fcr programmierbare Zahlungen einsetzbar w\u00e4re. In einer anderen Variante w\u00fcrde Zentralbankgeld als Kontoguthaben nicht nur Gesch\u00e4ftsbanken, sondern auch Privatpersonen und Unternehmen zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Digitales Zentralbankgeld f\u00fcr einen begrenzten Nutzerkreis<\/h3>\n\n\n\n<p>Die auf eine begrenzte Nutzergruppe bezogene Ausgabe von digitalem Zentralbankgeld wird in der Diskussion als sogenannte Wholesale-Variante bezeichnet, die zum Beispiel bei der Abwick\u2010 lung von Finanzmarkttransaktionen zur Anwendung kommen k\u00f6nnte. Dabei geht man davon aus, dass diese Form von digitalem Zentralbankgeld nur an den heutigen Kreis von Gesch\u00e4ftsbanken ausgegeben w\u00fcrde, der in geldpolitische Gesch\u00e4fte einbezogen ist. Um solches digitales Zentral\u2010 bankgeld dar\u00fcber hinaus f\u00fcr DLT-basierte Anwendungen in der Wirtschaft nutzbar zu machen, k\u00f6nnte die Weitergabe an Unternehmen in engen Grenzen erwogen werden, wobei sicherzustel\u2010 len w\u00e4re, dass dies keine negativen Auswirkungen auf die Geldpolitik h\u00e4tte. Ob dies als eine neue technische Form als Gesch\u00e4ftsbankengeld geschehen w\u00fcrde, das nur teilweise von Zentralbank\u2010 geld gedeckt ist, oder vollgedeckt als DZBG nur an bestimmte Nutzer weitergeben w\u00fcrde, ist offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Zentralbanksicht h\u00e4tte digitales Zentralbankgeld in der Wholesale-Variante den Vorteil, dass die Struktur des zweistu\ufb01gen Bankensystems nicht grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt w\u00fcrde. Zu kl\u00e4ren bliebe, in welcher Form die Banken digitales Zentralbankgeld an welche Kunden weitergeben w\u00fcrden. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte die Weitergabe zun\u00e4chst auf solche Unternehmen begrenzt wer\u2010 den, die es ben\u00f6tigen, um damit blockchain-basierte Anwendungen friktionslos betreiben zu k\u00f6n\u2010 nen. Inwieweit Privatpersonen digitales Zentralbankgeld ben\u00f6tigen werden, k\u00f6nnte bei fortschrei\u2010 tender Digitalisierung nachfragegetrieben entschieden werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Digitales Zentralbankgeld f\u00fcr jedermann<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Diskussion im Euroraum konzentriert sich inzwischen auf digitales Zentralbankgeld in der so\u2010 genannten Retail-Variante, da das Eurosystem in seinem Bericht zum digitalen Euro vom 2. Okto\u2010 ber 2020 die Fragen aufgeworfen hat, unter welchen Umst\u00e4nden und in welchen denkbaren Aus\u2010 pr\u00e4gungen der Allgemeinheit digitales Zentralbankgeld angeboten werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Retail-Variante wird begr\u00fcndet mit Szenarien, in denen Bargeld kaum noch nachgefragt wird, den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern aber weiterhin der Zugang zu ausfallsicherem Zentralbankgeld er\u2010 m\u00f6glicht werden soll. Allerdings bekennt sich das Eurosystem weiterhin zur Ausgabe von Bargeld, solange eine Nachfrage danach existiert. Ein anderes Szenario begr\u00fcndet die Notwendigkeit einer europ\u00e4ischen Alternative zu privatwirtschaftlich angebotenen Stable Coins oder dem digitalen Zentralbankgeld anderer Zentralbanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser Szenarien ist es wichtig, dass das Eurosystem sich analytisch, technisch und or\u2010 ganisatorisch mit der m\u00f6glichen Emission digitalen Zentralbankgeldes befasst, um gegebenenfalls vorbereitet zu sein. Freilich darf nicht \u00fcbersehen werden, dass digitales Zentralbankgeld f\u00fcr jeder\u2010 mann die weitgehendste Variante digitalen Geldes mit den mutma\u00dflich gravierendsten Implikatio\u2010 nen w\u00e4re. Im Sinne eines innovativen Vorgehens sollte auch diese Form von digitalem Geld programmierbar sein k\u00f6nnen, damit die M\u00f6glichkeiten der neuen Technologien auch vollst\u00e4ndig genutzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel zu der Frage, ob und warum digitales Zentralbankgeld eingef\u00fchrt werden sollte, ist zu pr\u00fc\u2010 fen, wie es ausgestaltet werden m\u00fcsste, um attraktiv f\u00fcr die Nutzung in allen denkbaren Situatio\u2010 nen des allt\u00e4glichen Zahlungsverkehrs zu sein, ohne die Funktionsf\u00e4higkeit des Finanzsektors si\u2010 gni\ufb01kant zu beeintr\u00e4chtigen und die Aktivit\u00e4t der Zentralbank \u00fcber Geb\u00fchr, zu Lasten des Wettbe\u2010 werbs und Gesch\u00e4ftsmodells privater Anbieter, auszuweiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist, dass die Wertstabilit\u00e4t und Ausfallsicherheit einen Vorteil des Digitalen Zentralbankgeldes begr\u00fcnden, der es f\u00fcr sich genommen zu einem bevorzugten Zahlungsmittel werden lie\u00dfe. Das bisherige Verh\u00e4ltnis zwischen \u00f6ffentlichem Sektor und Privatsektor im Zahlungsverkehr w\u00fcrde sp\u00fcrbar verschoben in Richtung einer Ausweitung der Rolle der Zentralbanken. Damit einher gin\u2010 gen vermutlich auch gr\u00f6\u00dfere Risiken in der Zentralbankbilanz, die entsprechend abgesichert wer\u2010 den m\u00fcssten. Hinzu kommen Implikationen f\u00fcr andere Ziele, etwa f\u00fcr die Umsetzung der Geldpo\u2010 litik, f\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t oder, bei etwaigen Fehlfunktionen, Ausf\u00e4llen oder Leistungseinschr\u00e4n\u2010 kungen, f\u00fcr die Reputation der Notenbanken.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re das Angebot von digitalem Zentralbankgeld unverzinst und in unbegrenzter Menge f\u00fcr je\u2010 dermann, k\u00f6nnte es die Geldpolitik in ihrem Ein\ufb02uss stark begrenzen, insbesondere im Niedrigzin\u2010 sumfeld. Denn es w\u00fcrde die bisher auf Bargeldnutzung begrenzte Vermeidung negativer Zinsen erleichtern, weil digitales Zentralbankgeld eben digital transferiert und gehalten werden kann, so dass Transaktions- und Verwahrkosten deutlich niedriger ausfallen als beim Bargeld. Freilich sind<br>Nutzungsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr digitales Zentralbankgeld denkbar. Jedoch darf Geld auch<br>nicht zu komplex ausgestaltet sein, um nicht zus\u00e4tzliche Friktionen und Kosten zu verursachen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3 operative Aspekte und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p>Europa steht vor gro\u00dfen Herausforderungen im Geldwesen. Die Digitalisierung und besonders die Entwicklung der neuen dezentralen Abwicklungstechniken erm\u00f6glichen neue Prozesse und stellen neue Anforderungen, auch an das Geld. Die Zentralbanken im Eurosystem stellen sich diesen Her\u2010 ausforderungen. Geld soll vor allem stabil sein. Daher bleibt der Grundauftrag f\u00fcr die Zentralbank so aktuell wie eh und je. Daneben hat das Eurosystem auch einen Sorgeauftrag f\u00fcr den Zahlungs\u2010 verkehr, f\u00fcr seine Stabilit\u00e4t und E\ufb03zienz. Zentralbanken sollten alles tun, damit die aus der Digita\u2010 lisierung resultierenden Anforderungen der Realwirtschaft, des Finanzsektors und der privaten Haushalte an das k\u00fcnftige Geld erf\u00fcllt werden. Neben Sicherheit, Schnelligkeit, Bequemlichkeit und vielen anderen Anforderungen an Geld tritt in besonderer Weise die Programmierbarkeit hinzu. Es wurden mehrere Optionen beschrieben.<br>F\u00fcr den digitalen Zahlungsverkehr haben sich bereits in den vergangenen Jahren gute privatwirt\u2010 schaftliche L\u00f6sungen etabliert, denen allerdings h\u00e4u\ufb01g die europ\u00e4ische Reichweite fehlt. Deshalb dringen Eurosystem und EU-Kommission zurecht auf den Aufbau pan-europ\u00e4ischer Zahlverfahren, die allerdings auch die derzeitigen technischen M\u00f6glichkeiten, wie zum Beispiel Instant Payments, voll nutzen sollten. Spannend bleibt die weitere Entwicklung dezentraler Netzwerke, die bislang aber immer noch technisches Neuland sind, jedenfalls gemessen an den operativen Erfordernissen einer modernen Volkswirtschaft. Der Zahlungsverkehr und die Wertpapierabwicklung sind hoch\u2010 technische, komplexe Infrastrukturen, die h\u00f6chsten Anforderungen an Ausfallsicherheit und Wi\u2010 derstandsf\u00e4higkeit gen\u00fcgen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufbau von entsprechend verl\u00e4sslichen dezentralen Netzwerken in der ben\u00f6tigten Dimension d\u00fcrfte erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zentralbank sollte eine entscheidende Rolle beim Aufbau und Betrieb des Zahlungssystems f\u00fcr programmierbares Geld spielen. Bislang l\u00e4uft Zentralbankgeld, abgesehen vom quantitativ weni\u2010 ger bedeutsamen Bargeld, ausschlie\u00dflich in Zentralbanksystemen um. Sollte sich dies etwa bei der Einf\u00fchrung von digitalem Zentralbankgeld \u00e4ndern, best\u00fcnde die Gefahr eines negativen Reputati\u2010 onseffektes im Falle von auftretenden Problemen in privaten Systemen. In jedem Fall w\u00e4ren erheb\u2010 liche \u00dcberwachungs- und Eingriffsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Zentralbank vorzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Operativ bietet sich m\u00f6glicherweise das Lernen in kleinen Schritten an. Eine Trigger-L\u00f6sung lie\u00dfe das bestehende Zahlungssystem unver\u00e4ndert, erm\u00f6glichte aber den Einsatz der DLT als Abwick\u2010 lungstechnik f\u00fcr komplexe Gesch\u00e4ftsf\u00e4lle. Eine Wholesale-L\u00f6sung bei digitalem Zentralbankgeld h\u00e4tte den Vorteil, dass das ben\u00f6tigte Netzwerk deutlich kleiner ausfallen k\u00f6nnte. Zudem handel\u2010 ten nur Pro\ufb01s mit digitalem Geld, sodass eine operative Grundkompetenz unterstellt werden k\u00f6nnte. Digitales Zentralbankgeld f\u00fcr jedermann w\u00e4re in jeder Hinsicht die weitgehendste Option, birgt damit die gr\u00f6\u00dften Risiken und erfordert die umfassendste und l\u00e4ngste Vorbereitung.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":999,"template":"","meta":{"inline_featured_image":false},"kategorie_insights":[21],"class_list":["post-752","insights","type-insights","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","kategorie_insights-digitaler-euro"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights\/752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights"}],"about":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insights"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/999"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"kategorie_insights","embeddable":true,"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie_insights?post=752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}