{"id":751,"date":"2022-03-30T05:04:31","date_gmt":"2022-03-30T03:04:31","guid":{"rendered":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/?post_type=insights&#038;p=751"},"modified":"2022-04-08T08:44:03","modified_gmt":"2022-04-08T06:44:03","slug":"digitaler-euro-auf-der-blockchain","status":"publish","type":"insights","link":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/ratgeber\/digitaler-euro-auf-der-blockchain\/","title":{"rendered":"Digitaler Euro auf der Blockchain"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Debatte um Digitalen Euro: Wir brauchen mehr Grundverst\u00e4ndnis<\/h2>\n\n\n\n<p>Digitale Zentralbankw\u00e4hrungen (engl. Central Bank Digital Currencies, CBDCs) auf der Blockchain sind ein seit 2018 intensiv diskutiertes Thema. Eine im Januar 2020 von der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt, dass 10 % der weltweiten Zentralbanken kurzfristig und 20 % mittelfristig die Einf\u00fchrung einer CBDC f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit (sog. Retail CBDC) planen. Bereits seit Mitte April 2020 testet die People\u2019s Bank of China zun\u00e4chst noch lokal begrenzt ihre digitale Zentralbankw\u00e4hrung. Doch nicht nur praktisch alle Zentralbanken weltweit diskutieren das Thema, sondern auch Gesch\u00e4ftsbanken, Technologieund Finanzunternehmen und nat\u00fcrlich die Politik sind in der weitreichenden Diskussion um Vorund Nachteile durch CBDCs involviert. CBDCs beziehungsweise der digitale Euro (in diesem Text gemeint: CBDC f\u00fcr den Euro-Raum) haben das Potenzial, unser Finanzsystem grundlegend zu ver\u00e4ndern. Die Folgen einer Einf\u00fchrung werden teils als gro\u00dfe Chance, teils als unbedingt zu vermeidendes Risiko bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der aktuellen Diskussion rund um den digitalen Euro mangelt es an einem gemeinsamen finanzwirtschaftlichen, regulatorischen sowie technologischen Grundverst\u00e4ndnis. Dieser Mangel zeigt sich in vielen Facetten: Wenn beispielsweise von einem \u00bbdigitalen\u00ab oder einem \u00bbprogrammierbaren\u00ab Euro gesprochen wird, muss es sich nicht zwingend um eine CBDC handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nnte auch Geld gemeint sein, das durch private Organisationen (z. B. Banken, E-Geld-Institute oder andere FinTechs) emittiert wird. So wie das von Facebook initiierte und von einem Konsortium an Privatunternehmen gef\u00fchrte Projekt Libra, das nach heftigem Gegenwind der Politik k\u00fcrzlich neu ausgerichtet wurde und seinen Start noch in diesem Jahr plant. H\u00e4ufig, und so auch in diesem Infopapier, wird die Blockchain-Technologie, die zur Familie der Distributed Ledger Technologien (DLT) geh\u00f6rt, als technische Basis f\u00fcr CBDCs und den digitalen Euro gehandelt. Theoretisch sind aber auch CBDCs m\u00f6glich, die nicht auf DLT basieren. Auch zwischen den Begriffen W\u00e4hrung und Geld muss unterschieden werden: Bei einer W\u00e4hrung handelt es sich um ein gesetzliches Zahlungsmittel, also um einen \u00bbde jure\u00ab-Standard. Der Begriff Geld hingegen beschreibt einen \u00bbde facto\u00ab-Standard, sobald es sich um ein akzeptiertes Tauschmittel handelt, selbst wenn es nicht gesetzliches Zahlungsmittel ist. Ein Beispiel: Der Euro ist eine W\u00e4hrung; der digitale Euro w\u00e4re eine digitale Variante dieser W\u00e4hrung. Beim Projekt Libra handelt es sich hingegen eher um eine Vision von digitalem Geld \u2013 nicht W\u00e4hrung. Diese Beispiele machen deutlich, dass Aufkl\u00e4rung rund um das Thema CBDCs und digitaler Euro notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen m\u00f6chten wir in diesem Infopapier zuerst eine begriffliche Abgrenzung zwischen Zentralbankreserven, Bargeld, Gesch\u00e4ftsbankengeld, E-Geld, Kryptowerten, Stablecoins und digitalem Zentralbankgeld (CBDC) vornehmen. Dar\u00fcber hinaus soll das Papier den aktuellen Diskussionsstand zum digitalen Euro auf der Blockchain wiedergeben und zentrale Fragestellungen adressieren: Welche Ausgestaltungen eines digitalen Euros gibt es? Welche Motive gibt es f\u00fcr seine Einf\u00fchrung? Wie kann man mit bef\u00fcrchteten Risiken umgehen? Und warum ist die Blockchain-Technologie so vielversprechend f\u00fcr den digitalen Euro?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Infopapier m\u00f6chte der Bitkom dazu beitragen, dass die Diskussion in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik intensiviert wird und die Schlagkraft entfaltet, die es braucht, um weltweit \u00bbahead of the curve on digital currency\u00ab zu sein, um es mit den Worten der neuen EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde auszudr\u00fccken. Gerade in der aktuell breit gef\u00fchrten Debatte um die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t Europas darf nicht \u00fcbersehen werden, dass China derzeit in der Entwicklung einer CBDC f\u00fchrend ist. W\u00e4hrungen k\u00f6nnen in einer digitalen und globalisierten Welt zu einem kompetitiven Wettbewerbsvorteil f\u00fcr Wirtschaftsstandorte f\u00fchren. Und zwar einerseits durch das Heben von Prozesseffizienzen und andererseits durch neue Gesch\u00e4ftsmodelle, die erm\u00f6glicht werden. Die Chancen eines digitalen Euros d\u00fcrfen daher nicht blo\u00df politisch, sondern m\u00fcssen auch wirtschaftlich analysiert werden: Der digitale Euro kann wesentlich zu einem innovationsfreundlichen \u00d6kosystem in Europa beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Vom Bargeld zur Central Bank Digital Currency (CBDC) \u2013 Begriffsdefinitionen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.1 Zentralbankreserven<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Zentralbank stattet Gesch\u00e4ftsbanken gegen Sicherheiten (zentralbankf\u00e4hige Wertpapiere)  mit Zentralbankgeld in Form von Zentralbankreserven aus. Dieses Zentralbankgeld liegt auf den Konten der Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.2 Bargeld<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben Zentralbankreserven ist Bargeld, also in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion auf Euro lautende M\u00fcnzen und Banknoten, die zweite Form von Zentralbankgeld. Bargeld ist laut Bundesbankgesetz das einzige unbeschr\u00e4nkte gesetzliche Zahlungsmittel. Es macht etwa 13 % des im Umlauf befindlichen Geldes aus.2 Bargeld ist aktuell das einzige (voll) anonyme Zahlungsmittel, das direkt zwischen zwei Parteien durch physische \u00dcbergabe \u00fcbertragbar ist \u2013 also ohne einen Mittelsmann wie etwa eine Bank auskommt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.3 Gesch\u00e4ftsbankengeld<\/h3>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4ftsbankengeld ist als Zahlungsmittel eine Forderung eines Bankkunden gegen\u00fcber der Bank. Es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, wird aber grunds\u00e4tzlich als Zahlungsmittel anerkannt und macht etwa 87 % des im Umlauf befindlichen Geldes aus. Gesch\u00e4ftsbankengeld kann unterschiedliche Auspr\u00e4gungen besitzen, in der Regel handelt es sich um Geld auf Girokonten (= Giralgeld). Fast alle Arten von \u00dcberweisungen und elektronischen Geldtransfers werden mit Gesch\u00e4ftsbankengeld get\u00e4tigt, so auch Kreditkartenzahlungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.4 Elektronisches Geld bzw. E-Geld (e-money)  <\/h3>\n\n\n\n<p>Elektronisches Geld ist ein elektronisch gespeicherter Wert, der, wie auch das Giralgeld, eine Forderung gegen\u00fcber einem Emittenten darstellt und dessen Ausstellung gegen Zahlung eines Geldbetrags erfolgt, um damit Zahlungsvorg\u00e4nge durchzuf\u00fchren. E-Geld wird insofern oft auch als Zahlungsmittel akzeptiert. Ein Beispiel f\u00fcr E-Geld ist etwa Geld auf einer Chipkarte die am Parkautomat verwendet werden kann. Die Art der Speicherung ist f\u00fcr die Qualifikation als E-Geld letztlich egal, sodass sowohl die genannte Geldkarte mit einem Datentr\u00e4ger als Speichermedium als auch serverbasiertes E-Geld (z. B. Pay-Pal) von der Definition erfasst werden. E-Geld l\u00e4sst sich grunds\u00e4tzlich auch auf DLT-Basis abbilden. Mehrere Banken haben die Emission von E-Geld auf DLT bereits erfolgreich pilotiert, zum Beispiel im Bereich Zahlungsverkehr zwischen Maschinen (\u00bbmachine-to-machine-payments\u00ab, kurz: M2M-payments) und bei Wertpapiertransaktionen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.5 Kryptowerte und Stablecoins<\/h3>\n\n\n\n<p>Kryptowerte sind ein auf Verschl\u00fcsselung und digitalen Signaturen basierender Verm\u00f6genswert, denen DLT zugrunde liegt. Zu dieser Technologiefamilie z\u00e4hlt auch die Blockchain-Technologie, die sehr prominent beim Bitcoin zum Einsatz kommt. Im Bitcoin-Netzwerk gibt es keinen zentralen Emittenten oder Intermedi\u00e4r, der Geldmenge und Transaktionen \u00fcberwacht. Der Bitcoin wurde als der erste Kryptowert bewusst als Alternative zu bestehenden Fiat-Geldsystemen mit Zentralbanken und Banken als W\u00e4hrungs- oder Geldemmitenten konzipiert. Inzwischen herrscht aber weitgehend Konsens, dass es sich beim Bitcoin wegen seiner gro\u00dfen Volatilit\u00e4t (hohe Preisschwankungen) nicht um ein stabiles Zahlungsmittel handelt und er keineswegs eine W\u00e4hrung darstellt. Stattdessen sind Experten zunehmend der Meinung, dass es sich beim Bitcoin prim\u00e4r um einen digitalen Verm\u00f6genswert handelt. H\u00e4ufig wird die Analogie eines digitalen \u00bbRohstoffs\u00ab genutzt. Der Begriff Kryptowerte wurde Anfang 2020 erstmals im Kreditwesengesetz (\u00a7 1 Abs. 11 Satz 4 KWG) legal definiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Stablecoin ist eine Unterart von Kryptowerten, welcher sich durch eine geringerer Volatilit\u00e4t verglichen zum Bitcoin auszeichnet. Eine Kopplung an etablierte staatliche W\u00e4hrungen wird meist durch eine hundertprozentige Deckung durch Einlagen auf Bankkonten gew\u00e4hrleistet. Dennoch handelt es sich bei Stablecoins bisher meist nicht um E-Geld im rechtlichen Sinne, da die Emittenten in der Regel keine ad\u00e4quate Lizenz besitzen. Auch die von der Libra-Association geplanten \u00bbLibra-Coins\u00ab lassen sich als Stablecoins einordnen, da diese mit existierenden staatlichen W\u00e4hrungen gedeckt werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.6 Digitales Zentralbankgeld bzw. Central bank digital currency (CBDC)<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine digitale Zentralbankw\u00e4hrung ist eine digitale Form einer W\u00e4hrung, die von einer Zentralbank herausgegeben wird. Sie besitzt denselben Wert wie alle anderen Formen von Zentralbankgeld. Beispielsweise h\u00e4tte ein Euro als M\u00fcnze, Giralgeld oder in digitaler Form, zum Beispiel als CDBC, immer denselben Wert. Digitales Zentralbankgeld kann allerdings unterschiedliche Auspr\u00e4gungen aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. M\u00f6gliche Ausgestaltungen eines digitalen Euros<\/h2>\n\n\n\n<p>Anmerkung: In diesem Papier wird mit dem Begriff Digitaler Euro eine CBDC f\u00fcr den Euro-W\u00e4hrungsraum gemeint, die von der EZB als Emittentin herausgegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1 Wholesale oder Retail \u2013 wer hat Zugang zum digitalen Euro?<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Debatte um den digitalen Euro bzw. einer CBDC werden zwei Hauptkonzepte diskutiert, bei denen eine W\u00e4hrung \u00fcber DLT transferiert werden k\u00f6nnte und digital programmierbar wird. Zum einen ist dies der Ansatz einer sogenannten Wholesale CBDC. Hier werden die digitalen Zentralbankreserven nur f\u00fcr Finanzinstitute zug\u00e4nglich gemacht und sind nur f\u00fcr diese nutzbar. Der zweite Ansatz wird Retail CBDC genannt. Hierbei wird Endkunden wie nat\u00fcrlichen Personen, Unternehmen und staatlichen Beh\u00f6rden ein direkter Zugang zu digitalem Zentralbankgeld erteilt. Die Bef\u00fcrworter einer Wholesale CBDC argumentieren, dass das derzeitige zweistufige Geldsystem, in dem Zentralbankreserven die Liquidit\u00e4t f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsbankensektor darstellen und Bankeinlagen (Giralgeld) als Liquidit\u00e4t f\u00fcr den Nichtbanken-Sektor verwendet werden, durch ein effizienteres Interbank-Zahlungssystem verbessert werden kann. Abgesehen von der Erh\u00f6hung der Effizienz des Zahlungsverkehrs argumentieren die Bef\u00fcrworter einer Retail CBDC haupts\u00e4chlich, dass der starke R\u00fcckgang der Bargeldnachfrage \u2013 \u00fcbrigens der einzigen Form von Zentralbankgeld, die von Nichtbanken gehalten werden kann \u2013 in vielen L\u00e4ndern ein Hauptgrund f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer Retail CBDC ist. Eine solche CBDC stellt sicher, dass B\u00fcrger weiterhin risikofreies Geld (da es nicht Teil einer Gesch\u00e4ftsbankbilanz ist und somit B\u00fcrger nicht von der Solvenz ihrer Bank abh\u00e4ngig sind), das von einer Zentralbank ausgegeben wird, halten k\u00f6nnen. Auch k\u00f6nnten Zentralbanken so ihre Rolle als Emittent von gesetzlichen Zahlungsmitteln auch im digitalen Zeitalter beibehalten. Beide Konzepte \u2013 Wholesale CBDC und Retail CBDC \u2013 sind durchaus miteinander kombinierbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2 Wird eine CBDC verzinst?<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine CBDC kann sowohl zinstragend als auch nicht zinstragend ausgestaltet sein. Es ist davon auszugehen, dass eine Wholesale CBDC auch zinstragend sein wird. Dies gilt allerdings nicht f\u00fcr Retail CBDCs. Eine unverzinsliche Retail CBDC w\u00fcrde keine Zinsertr\u00e4ge abwerfen und w\u00e4re \u00e4hnlich wie physisches Bargeld. Eine verzinste Retail CBDC w\u00e4re Bankeinlagen \u00e4hnlich. Auch negative Zinsen w\u00e4ren mit CBDC m\u00f6glich. Grunds\u00e4tzlich w\u00fcrde eine (auch negative) Verzinsung einer Zentralbank ein weiteres Steuerungsinstrument zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.3 Wie wird eine CBDC technisch realisiert?<\/h3>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig wird in der \u00f6ffentlichen Debatte Blockchain bzw. DLT als technologische Grundlage f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines digitalen Euros vorgeschlagen. Zwar sind theoretisch auch andere technische Grundlagen denkbar, allerdings sind die Vorz\u00fcge der DLT im Kontext eines digitalen, programmierbaren Euros nach heutigem Kenntnisstand besonders gro\u00df . So hat sich die Schwedische Reichsbank in ihrem Prototypen f\u00fcr DLT entschieden6 und auch Euro-Testbuchungen, z. B. unter der E-Geld-Regulierung, von ersten kleineren und gr\u00f6\u00dferen Unternehmen (in Deutschland, Frankreich und Island) zeigen in diesem Kontext den Vorteil von DLT. Der von der People\u2019s Bank of China aktuell getesteten chinesischen Digitalw\u00e4hrung sollen Technologien \u00bb\u00e4hnlich\u00ab der DLT zugrunde liegen. Diese Technologien werden jedoch mit \u00bbzentralen Mechanismen\u00ab kombiniert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.4 Sicherheit und Datenschutz<\/h3>\n\n\n\n<p>Je nach Ausgestaltung der CBDC muss gekl\u00e4rt werden, welche Parteien welche Informationen \u00fcber Transaktionen und die handelnden Akteure erhalten und wer f\u00fcr die Sicherheit und Anti- Geldw\u00e4sche (AML)-Kontrollen im Netzwerk zust\u00e4ndig ist. Anders als h\u00e4ufig angenommen, sind Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain nicht anonym, sondern pseudonym. Alle je durchgef\u00fchrten Transaktionen k\u00f6nnen nach der Herstellung des Zusammenhangs zwischen einer Identit\u00e4t und einer \u00f6ffentlichen Adresse auf der Blockchain (hierf\u00fcr wird h\u00e4ufig die Analogie einer \u00bbKontonummer\u00ab verwendet) eindeutig einem Akteur zugeordnet werden. Es gibt andere Konzepte im Bereich zulassungsbeschr\u00e4nkter DLTs, bei denen nur die unmittelbar beteiligten Parteien die Details einer Transaktion einsehen k\u00f6nnen. Bez\u00fcglich Datenschutz ist bei der CBDC der Spagat zwischen Anonymit\u00e4t, wie es heute bei Bargeld aufzufinden ist, und der Bek\u00e4mpfung von Geldw\u00e4sche, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung zu meistern, was definitiv auch erreichbar ist. Eine Zuordnung aus Transaktionen und Identit\u00e4t ist m\u00f6glich, die Zuordnung kann technisch aber auch unterbunden werden. Derzeit werden von der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) Obergrenzen f\u00fcr anonyme Transaktionen diskutiert, \u00e4hnlich wie bei Bargeld.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Motive f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines digitalen Euros auf der Blockchain<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Motive f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CBDC (in Europa: eines digitalen Euros) variieren erheblich. Insbesondere zwischen Schwellen- bzw. Entwicklungsl\u00e4ndern und hochentwickelten industriellen Marktwirtschaften gibt es deutliche Unterschiede bei den in den Zentralbanken diskutierten Motiven f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CBDC. Industriel\u00e4nder erhoffen sich, die Effizienz und Sicherheit des Zahlungsverkehrs zu erh\u00f6hen, sowie die Finanzstabilit\u00e4t zu verbessern. Geldpolitik und finanzielle Inklusion spielen eine eher untergeordnete Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Entwicklungsl\u00e4nder hingegen sehen neben den Vorteilen f\u00fcr Finanzstabilit\u00e4t und Zahlungsverkehr auch in der finanziellen Inklusion ihrer B\u00fcrger und einer verbesserten Effizienz ihrer Geldpolitik gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CBDC. In vielen Entwicklungsl\u00e4ndern lebt ein hoher Bev\u00f6lkerungsanteil ohne Bankkonto und ist damit vom digitalen Zahlungssystem ausgeschlossen, laut Weltbank 1,7 Milliarden Menschen weltweit. Zudem bestimmen ausl\u00e4ndische W\u00e4hrungen \u2013 in der Regel der US-Dollar \u2013 gro\u00dfe Teile des Wirtschaftssystems. Es wundert daher nicht, dass CBDC dort als m\u00f6gliches Mittel zum Wiedererstarken der eigenen W\u00e4hrung und Geldpolitik sowie als Instrument der finanziellen Inklusion gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"478\" src=\"https:\/\/cash-on-ledger.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-653\" srcset=\"https:\/\/cash-on-ledger.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3.png 730w, https:\/\/cash-on-ledger.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3-300x196.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption>Abbildung 1: Motive f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer Retail CBDC Quelle: Central Bank Digital Currency: opportunities, challenges and design \u2013 A discussion paper (Bank of England, 2020)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wie in Kapitel 3.3 bereits erl\u00e4utert, muss die Einf\u00fchrung einer CBDC nicht notwendigerweise mit dem Einsatz von DLT einhergehen. Erste Prototypen der EZB oder der Schwedischen Riksbank, die beide auf dem vom Konsortium R3 entwickelten DLT-Framework Corda aufsetzen, deuten jedoch an, dass die Verwendung von DLT aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden von Vorteil sein kann. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden m\u00f6gliche Motive zur Einf\u00fchrung einer DLT-basierten CBDC genauer erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.1 Zahlungsverkehr<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs \u00fcber CBDCs stellt eine Alternative zum Zahlungsverkehr mit beispielsweise Giralgeld dar. Dadurch w\u00fcrde einer starken Abh\u00e4ngigkeit einzelner Unternehmen und Banken von gro\u00dfen Zahlungsdienstleistern bzw. anderen Banken entgegengewirkt und eine sichere Alternative, zum Beispiel in Hinblick auf den m\u00f6glichen Ausfall privater Zahlungsinstitute (z. B. Banken in einer Finanzkrise oder E-Geld-Emittenten und Zahlungsdienstleistern), geboten. Auch der internationale Zahlungsverkehr k\u00f6nnte durch die Einf\u00fchrung von CBDCs profitieren. In heutigen Zahlungssystemen sind Transaktionen, insbesondere in Form von grenz\u00fcberschreitenden Zahlungen in der Regel nicht effizient und vor allem nicht kosteng\u00fcnstig abwickelbar. Nach Angaben der Weltbank betragen internationale Transaktionsgeb\u00fchren im Durchschnitt 7 % des Transaktionsvolumens und die Bearbeitung dauert h\u00e4ufig bis zu zehn Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen durch die Einf\u00fchrung einer CBDC behoben werden. Bei Nutzung von DLT-Systemen zwischen unterschiedlichen W\u00e4hrungsr\u00e4umen k\u00f6nnten Abwicklungen schnell und zu einem Bruchteil der Transaktionskosten stattfinden. Allerdings sind pauschale Aussagen hierzu schwierig, da Kosten und Performanz massiv vom konkret gew\u00e4hlten Design des DLT-Systems abh\u00e4ngen. Das Kontrahentenrisiko, also das Risiko f\u00fcr den Ausfall eines Marktteilnehmers, f\u00e4llt durch die direkte \u00dcbertragung und dem Wegfall vieler Intermedi\u00e4re in einem manipulationssicheren und transparenten DLT-System de facto weg. Aufgrund der \u2013 je nach Ausgestaltung \u2013 niedrigen Transaktionsgeb\u00fchren sind zudem Mikro-Transaktionen im Sinne eines fast stetigen Zahlungsflusses m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.2 Programmierbares Geld<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine DLT-basierte CBDC k\u00f6nnte den Euro programmierbar machen. Sie w\u00fcrde insbesondere im Internet of Things und bei Machine-to-Machine-Zahlungen neue Automatisierungsm\u00f6glichkeiten schaffen und w\u00e4re somit ein wichtiger Grundbaustein f\u00fcr die Digitalisierung der Industrie. Smart Contracts, die dem digitalen Euro unterliegen, w\u00fcrden erm\u00f6glichen, dass z. B. IoT-Ger\u00e4te wie Maschinen, Autos und Sensoren direkt Dienstleistungen auf einer Pay-per-Use-Basis anbieten k\u00f6nnen, zum Beispiel auch Finanzdienstleistungen wie Leasing und Factoring. DLT k\u00f6nnte dazu eingesetzt werden, Millionen von Ger\u00e4ten mit einem Computerchip und damit auch mit einem eigenen Geldbeutel (d. h. Wallet) auszustatten. Folglich w\u00e4re dann ein Ger\u00e4t in der Lage, Zahlungen zu empfangen, Geld zu \u00fcberweisen und sogar Enterprise-Ressource-Planning- Buchungen (ERP) und Rechnungen zu initiieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswirkungen eines solchen digitalen Blockchain-Euros sind f\u00fcr die Industrie im Zusammenhang mit der Machine Economy besonders vielversprechend. Es wird gesch\u00e4tzt, dass im Jahr 2025 mehr als 75 Milliarden Ger\u00e4te an das Internet angeschlossen sein werden \u2013 das sind etwa 10 mal so viele Ger\u00e4te wie Menschen derzeit auf der Erde leben. Viele dieser Ger\u00e4te werden auch in Zahlungssysteme integriert werden. Diese Netzwerke werden somit bald Hunderte von Millionen von Ger\u00e4ten wie Autos, Sensoren und Maschinen anbinden. Das Marktvolumen f\u00fcr Machine-to-Machine-Verbindungen wird f\u00fcr das Jahr 2023 auf \u00fcber 27 Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich er\u00f6ffnen Smart Contracts und DLT die M\u00f6glichkeit einer v\u00f6llig neuartigen Infrastruktur f\u00fcr Finanzdienstleistungen, wie sie unter dem Begriff \u00bbDeFi\u00ab (Decentralized Finance) zunehmend gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit findet. Mit DeFi wird das Versprechen an ein offenes, transparentes, interoperables und letztlich robustes Finanzsystem verkn\u00fcpft. CBDCs k\u00f6nnen hier ein Baustein sein, um die damit verbundenen Chancen auf innovative L\u00f6sungen f\u00fcr Anbieter und Nutzer zu realisieren und gleichzeitig bestehenden Risiken entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.3 Delivery versus Payment: Wertpapierlieferung und -abwicklung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die klassische Wertpapierlieferung und -abwicklung (Settlement) erfolgt in Europa heute zwischen Banken und Zentralverwahrern (Central Securities Depository \u2013 CSD) \u00fcberwiegend unter Einbindung der von der EZB koordinierten TARGET2-Securities-Infrastruktur (kurz: T2S) sowie dem TARGET2-System der nationalen Zentralbanken. TARGET2 ist das Zahlungssystem der Zentralbanken des Eurosystems zur Zahlungsabwicklung. Es ist ein Echtzeit-Bruttosystem, d. h. die Zahlungen werden auf Einzeltransaktionsbasis kontinuierlich verarbeitet und mit sofortiger Finalit\u00e4t gebucht. T2S erm\u00f6glicht die harmonisierte und zentrale Abwicklung von Wertpapieren gegen Zentralbankgeld im Eurosystem. Die Wertpapierlieferung und -abwicklung erfolgt dabei in der Regel als Delivery versus Payment (DvP) Settlement, was als sichere und effiziente Methode insbesondere Ausfall- und Abwicklungsrisiken minimieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Klassisches Wertpapier-Settlement bedarf jedoch noch einiger Intermedi\u00e4re. Die DvP-Abwicklung von tokenbasierten bzw. blockchainbasierten Wertpapiergesch\u00e4ften l\u00e4sst sich indes als Funktion in einen Smart Contract eines sog. Security Tokens integrieren, sodass die \u00dcbertragung eines Security Token gegen Zahlung automatisiert und zeitgleich erfolgen kann, ohne Einbindung eines weiteren Intermedi\u00e4rs. Voraussetzung daf\u00fcr ist die Zahlung mittels einer kompatiblen digitalen W\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den programmierbaren Euro auf DLT-Basis kann die Wertpapierlieferung und -abwicklung bzw. die Handelsabwicklung von Security Token folglich nahtlos und automatisiert erfolgen. Dies gilt vor allem dann, wenn diese Finanzinstrumente rein digital begeben werden. Die Abwicklung des Wertpapierhandels w\u00fcrde dadurch deutlich beschleunigt und verschlankt werden. Weiterhin l\u00e4sst sich der programmierbare Euro in einem \u00d6kosystem von Token nutzen. Untersuchungen und Umfragen von Institutionen wie dem Weltwirtschaftsforum (2015), R3 (2019) und Chain Partners (2019) gehen davon aus, dass bis 2027 ca. 10 % des globalen BIP tokenisiert, also auf einem DLT-System digital abgebildet werden. Konkret bedeutet dies, dass durch die Tokenisierung zug\u00e4ngliche Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde und Finanzprodukte (z. B. Immobilienanteile) schneller und einfacher gehandelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.4 Geldpolitik<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Geldpolitik nicht zu den zentralen Motiven f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CDBC in westlichen Industrienationen z\u00e4hlt, lie\u00dfen sich hier, sofern gew\u00fcnscht, interessante geldpolitische Argumente ableiten. So k\u00f6nnten CBDCs mittelfristig auch mit negativen Zinss\u00e4tzen belegt werden, vorausgesetzt Bargeld st\u00fcnde nicht mehr in gro\u00dfen Mengen zur Verf\u00fcgung. Dadurch h\u00e4tten Notenbanken in Zeiten der Nullzinspolitik g\u00e4nzlich neue geldpolitische Instrumentarien zur Hand, um auf Notlagen und Rezessionen wie in der aktuellen Coronavirus-Krise zu reagieren. Eine solche geldpolitische Motivation ist allerdings h\u00f6chst umstritten und w\u00fcrde bei Gegnern zweifellos als Grenz\u00fcberschreitung, finanzielle Repression, und Sparer-Enteignung betrachtet und vehement bek\u00e4mpft werden. Das theoretische Argument einer effektiveren geldpolitischen Transmission durch eine direkte negative Verzinsung der CBDC durch die Notenbanken sollte hier dennoch grunds\u00e4tzlich genannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere geldpolitische Ma\u00dfnahme, die durch eine Retail CBDC einfacher umgesetzt werden k\u00f6nnte, ist das u. a. in den USA diskutierte Helikoptergeld in der Coronakrise. Zentralbanken k\u00f6nnten den B\u00fcrgern \u00fcber ihre \u00bbZentralbankwallets\u00ab schneller und direkter Geldbetr\u00e4ge \u00fcberweisen. Auch das vieldiskutierte bedingungslose Grundeinkommen k\u00f6nnte \u00fcber eine Retail CBDC leichter umzusetzen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Umstritten ist weiterhin der theoretische Vorteil einer verbesserten Datenlage (z. B. \u00fcber Finanzstr\u00f6me und Gelddistribution) seitens der Notenbanken, die daraufhin wirtschafts- und geldpolitische Ma\u00dfnahmen besser evaluieren und umsetzen k\u00f6nnten. Dies bedeutet, dass Notenbanken in Echtzeit Geldstr\u00f6me analysieren k\u00f6nnten. Derzeit findet die Aufsicht \u00fcber das Geschehen in Finanzm\u00e4rkten in periodischen Abst\u00e4nden statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Geldpolitische Motive einer CBDC-Einf\u00fchrung k\u00f6nnen mit einer deutlichen Ausweitung der Machtbefugnisse der Notenbanken einhergehen \u2013 und sollten deshalb bei der praktischen Implementierung eines konkreten CBDC-Designs intensiv \u2013 also v. a. auch gesellschaftlich und politisch \u2013 debattiert und abgewogen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.5 Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Einf\u00fchrung einer CBDC ist auch eine Frage der zuk\u00fcnftigen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der eigenen W\u00e4hrung und Wirtschaft. China hat am 16. April 2020 den Einsatz von digitalem Zentralbankgeld gestartet, zun\u00e4chst in limitiertem Rahmen zur Bezahlung von Regierungsbeamten im Bezirk Xiangcheng.17 Ab Mai 2020 sollen weitere Bezirke und Anwendungen folgen. Auch das private Firmenkonsortium der Libra-Association arbeitet weiterhin an der internationalen Zahlungsl\u00f6sung Libra. So hat die Libra-Association ebenfalls am 16. April 2020 die Neuausrichtung ihres Projektes verk\u00fcndet und m\u00f6chte noch in diesem Jahr an den Start gehen und ihre Libra-Coins in den Umlauf bringen. Es ist zu erwarten, dass derartig ressourcen- und reichweitenstarke \u00bbFirst Mover\u00ab schnell eine Vormachtstellung erreichen k\u00f6nnten, sei es bei Handelsfinanzierungen oder bei internationalen Geld\u00fcberweisungen. Eine einmal erreichte Vormachtstellung infolge von Millionen gewonnener Nutzer lie\u00dfe sich nicht so einfach anfechten. Leider k\u00f6nnte eine ausl\u00e4ndische CBDC bei einem w\u00e4hrungsraum\u00fcbergreifenden Einsatz, zum Beispiel in Europa, auch dazu \u00bbmissbraucht\u00ab werden, der ausl\u00e4ndischen Zentralbank einen gr\u00f6\u00dferen Einblick in Transaktionsdaten der europ\u00e4ischen B\u00fcrger und Unternehmen zu gew\u00e4hren. Gerade vor dem Hintergrund der in Europa entfachten Debatte rund um digitale Souver\u00e4nit\u00e4t und die derzeitige Abh\u00e4ngigkeit von den globalen IT-Konzernen aus den USA oder China die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der eigenen Wirtschaft und die Autonomie \u00fcber den eigenen digitalen Zahlungsverkehr ein nicht zu vernachl\u00e4ssigendes Motiv f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CBDC.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.6 Finanzstabilit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p>Die St\u00e4rkung der Finanzstabilit\u00e4t durch die Reduktion bankspezifischer Risiken ist ein weiteres Motiv f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer CBDC. Pilotprojekte und Papiere der meisten Zentralbanken weisen darauf hin, dass eine Disintermediation, also ein Wegfall der Banken, nicht gew\u00fcnscht ist. Gem\u00e4\u00df der derzeitigen Diskussion soll dies verhindert werden, etwa durch entsprechende Architektur\u00fcberlegungen bei der Implementierung (siehe Kapitel 5).<\/p>\n\n\n\n<p>Theoretisch k\u00f6nnten Individuen, Unternehmern und Finanzinstitute ihre Gesch\u00e4fte in Zukunft direkt \u00fcber CBDC (statt Bank-Sichteinlagen) abwickeln. Das w\u00fcrde zu einer drastischen Reduzierung der Liquidit\u00e4tskonzentration bei Banken f\u00fchren, und damit auch zu einer Reduzierung des systemischen Bankenrisikos. Regierungen m\u00fcssten Banken und Einlagen nicht mehr in gleichem Ma\u00dfe absichern und k\u00f6nnten damit das \u00bbMoral Hazard\u00ab Problem der heutigen Finanzindustrie einschr\u00e4nken oder gar beseitigen. Als Resultat k\u00f6nnte die Finanzmarktregulierung entsch\u00e4rft werden. Hierdurch w\u00fcrde der Wettbewerb zwischen Banken und Fintech-Unternehmen gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.7 Sicherheit und Manipulationsresistenz<\/h3>\n\n\n\n<p>Im klassischen Finanzsystem werden Daten h\u00e4ufig zentral auf den Servern von Zentralbanken oder Finanzdienstleistern gespeichert. Die Nutzung von DLT k\u00f6nnte hingegen daf\u00fcr sorgen, dass Transaktionsdaten gleichzeitig bei einer Vielzahl von Netzwerkteilnehmern gespeichert werden. Dadurch w\u00fcrden Single-Points-of-Failure vermieden werden und das System wird resistenter gegen Hackerangriffe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.8 Weitere Motive<\/h3>\n\n\n\n<p>Je nach Ausgestaltung der CBDC und bei etwaiger Reduzierung von physischen Banknoten w\u00e4re eine effektivere Bek\u00e4mpfung von Geldw\u00e4sche, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung m\u00f6glich. Auch die hohen Kosten der Bargelddistribution k\u00f6nnten durch CBDC vermieden werden. Aus hygienischen Gr\u00fcnden ist ein st\u00e4rkerer, digitaler Zahlungsverkehr der Nutzung von Banknoten und M\u00fcnzen \u00fcberlegen. So empfiehlt z. B. die Weltgesundheitsorganisation in der Coronakrise digital, wenn m\u00f6glich sogar kontaktlos zu zahlen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Umgang mit Risiken eines digitalen Euros<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.1 Risiken f\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch wenn einige Zentralbanken bereits offiziell best\u00e4tigt haben, dass sie an der Entwicklung einer DLT-basierten CBDC (d. h. Retail CBDC) arbeiten, gibt es immer noch zahlreiche Kritik von \u00d6konomen, Zentralbanken und der Politik gegen eine solche universell zug\u00e4ngliche digitale Zentralbankw\u00e4hrung. Kritiker bef\u00fcrchten, dass die Einf\u00fchrung einer CBDC zu finanzieller Instabilit\u00e4t und einer Disintermediation der Gesch\u00e4ftsbanken f\u00fchren k\u00f6nnte. Unter anderem argumentierte Bundesbankpr\u00e4sident Jens Weidmann in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass die Einf\u00fchrung einer CBDC zu \u00bbBank Runs\u00ab f\u00fchren k\u00f6nnte, bei denen erhebliche Liquidit\u00e4t aus dem Bankensektor zur Zentralbank transferiert wird. Dies k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass der Bankensektor nicht ausreichend mit Liquidit\u00e4t ausgestattet w\u00e4re. In Phasen mangelnden Vertrauens in das Bankwesen bef\u00fcrchtet man, dass viele Kunden ihr Geld nicht nur bar, sondern auch in digitaler Form von den Banken abheben w\u00fcrden. Ver\u00e4ngstigte Einleger k\u00f6nnten so relativ schnell und einfach eine Liquidit\u00e4tskrise im Bankensystem ausl\u00f6sen, indem sie ihr Geld auf ein sicheres Konto bei der Zentralbank \u00fcberweisen. Nat\u00fcrlich ist dieser Mechanismus auch abh\u00e4ngig von der Architektur, wie exakt eine CBDC implementiert werden w\u00fcrde (siehe m\u00f6gliche L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge unten).<\/p>\n\n\n\n<p>Die potenziellen Auswirkungen auf die Kreditvergabe sowie m\u00f6gliche Steuerungsma\u00dfnahmen sollten bei der Einf\u00fchrung eines digitalen Euros in jedem Fall bedacht werden. Ausgehend von der Annahme, dass bei der Einf\u00fchrung einer CBDC Sichteinlagen, wie zum Beispiel Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten, von den Gesch\u00e4ftsbanken zugunsten einer CDBC abgezogen werden, k\u00f6nnte ein m\u00f6glicher Einbruch im Kreditgesch\u00e4ft die Folge sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) experimentiert mit L\u00f6sungen, die eine Bedrohung der Finanzmarktstabilit\u00e4t abwenden k\u00f6nnen. Im Januar 2020 wurde ein Konzeptpapier ver\u00f6ffentlicht, in dem ein konkretes Retail CBDC-System vorgeschlagen wird, das die Gesch\u00e4ftsmodelle der Banken erh\u00e4lt und \u00bbBank Runs\u00ab verhindern soll. Der Autor des Papiers, Ulrich Bindseil, Generaldirektor f\u00fcr Marktinfrastruktur bei der EZB, schl\u00e4gt ein zweistufiges CBDC-System mit zwei unterschiedlichen Zinss\u00e4tzen auf die vom Nichtbankensektor gehaltenen CBDC-Guthaben vor. Der erste Zinssatz bis zu einem bestimmten CBDC-Schwellenwert (Tier 1 CBDC) folgt den Bewegungen aller anderen Marktzinss\u00e4tzen, wird aber z. B. auf 1 % unter dem Niveau des Einlage-Zinssatzes, der auf Reserven von Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank gezahlt wird, festgesetzt. Dies macht die \u00bbTier 1 CBDC\u00ab weniger attraktiv als Bankeinlagen. Dieser \u00bbTier 1 CBDC\u00ab Zinssatz w\u00fcrde jedoch niemals unter null fallen (auch wenn der Einlagen-Zinssatz unter 1 % f\u00e4llt), um den Kunden einen nicht-negativen Zinssatz zu garantieren. Wird der genannte CBDC-Schwellenwert auf dem Zentralbankkonto \u00fcberschritten, greift f\u00fcr diese Tier 2 CBDC hingegen ein Zinssatz von null bzw. sogar ein negativer Zinssatz. Diese \u00bb\u00fcbersch\u00fcssigen\u00ab Tier 2 Guthaben werden niemals positiv verzinst, um eine Investition in CBDC zu verhindern. Stattdessen erreichen sie in \u00bbnormalen Zeiten\u00ab einen Zinssatz von null und sinken in Zeiten, in denen der Referenzzinssatz unter 1 % liegt, unter null, um einen \u00bbBank Run\u00ab zu vermeiden. \u00dcber diese zweistufige Verzinsung soll die CBDC sozusagen als Zahlungsmittel attraktiv, als ertaufbewahrungsmittel \u00fcber einem Schwellenwert aber unattraktiv gestaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alternativ k\u00f6nnte auch die Konvertibilit\u00e4t von Bankeinlagen und CBDC eingeschr\u00e4nkt werden. Hier k\u00f6nnten entweder klassische Mengenbeschr\u00e4nkungen angewandt werden oder sogar das \u00bbdigitale Abheben\u00ab von Giroguthaben in CBDC ganz verhindert werden. Bereits 2018 hat die Bank of England in einem Paper ein solches paralleles CBDC-System vorgeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.2 Bedenken beim Datenschutz<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt, der h\u00e4ufig von B\u00fcrgern und Verbrauchersch\u00fctzern vorgebracht wird, ist, dass eine CBDC zu einer Art orwellschen Dystopie f\u00fchre, bei der die Zentralbanken (und damit die Regierungen) jede Transaktion nachvollziehen und verfolgen k\u00f6nnen. Somit w\u00fcrden B\u00fcrger v\u00f6llig \u00bbgl\u00e4sern\u00ab werden. Viele bef\u00fcrchten, dass mit der Einf\u00fchrung einer CBDC der Weg geebnet wird, physisches Bargeld abzuschaffen. Damit einher geht die Angst davor, keine M\u00f6glichkeit mehr zu besitzen, g\u00e4nzlich anonyme Transaktionen zu t\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem im Dezember 2019 ver\u00f6ffentlichten Arbeitspapier stellt die EZB einen konkreten DLT-basierten CBDC-Prototypen vor, der bargeld\u00e4hnliche Eigenschaften aufweist.23 Er garantiert anonyme Zahlungen, sofern bestimmte Zahlungsvolumina unterschritten werden und erf\u00fcllt gleichzeitig Anti-Geldw\u00e4sche-Bestimmungen (AML). Das wird technisch umgesetzt, indem die Identit\u00e4t des Kunden der Zentralbank und der AML-Beh\u00f6rde durch die Verwendung von sogenannten \u00bbAnonymity Vouchers\u00ab nicht bekannt gegeben wird. Diese Vouchers erm\u00f6glichen anonyme Geldtransfers \u00fcber einen begrenzten Betrag und innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Jeder B\u00fcrger wird mit einer bestimmten Anzahl von solchen Vouchern ausgestattet. Sobald alle Voucher eingel\u00f6st sind, werden die darauffolgenden Transaktionen nicht mehr anonym durchgef\u00fchrt. Zu beachten ist jedoch, dass die Transaktionsdaten f\u00fcr Banken zug\u00e4nglich und daher nicht anonym sind. Dies ist ein klarer Nachteil des Prototyps und sollte bei k\u00fcnftigen Prototypen der EZB ber\u00fccksichtigt werden. Dar\u00fcber hinaus werden alle Transaktionen nach wie vor \u00fcber Gesch\u00e4ftsbanken abgewickelt. Transaktionen finden also nicht auf einer direkten Peer-to-Peer-Basis statt, sondern werden nach wie vor von Gesch\u00e4ftsbanken als Vermittler abgewickelt. Das Papier der EZB ist ein guter Ausgangspunkt, um die Anonymit\u00e4t von CBDCs im Zusammenhang mit DLT weiter zu analysieren. Auch andere technische L\u00f6sungen (z. B. private Kan\u00e4le im verwendeten DLT-Framework) sollten dabei Beachtung finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt zeigen diese Beispiele, dass vielen politischen, wirtschaftlichen und ethischen Bedenken durch eine intelligente technische Umsetzung begegnet werden kann. Zwingend erforderlich ist daher ein intensiver, gesellschaftlicher Austausch \u00fcber das Zielbild des digitalen Euros. Dieses Infopapier bietet daf\u00fcr eine Grundlage an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Ein (Zwischen-)Fazit: Digitaler Euro und die Souver\u00e4nit\u00e4t Europas<\/h2>\n\n\n\n<p>Aufgrund der oben genannten Gr\u00fcnde zur Einf\u00fchrung eines digitalen Euros ist damit zu rechnen, dass auch die EZB in den n\u00e4chsten Jahren ernsthaft \u00fcber die Einf\u00fchrung einer digitalen Zentralbankw\u00e4hrung nachdenken wird. Offener ist hingegen, wie der digitale Euro ausgestaltet wird, wie mit rechtlichen, finanziellen und politischen Risiken umgegangen wird und welche DLT den technologischen Grundstein daf\u00fcr legen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob Kryptowerte, private Konzepte f\u00fcr digitales Geld wie Libra oder auch staatliche CBDCs wie der digitale Euro auf der Blockchain: der Wettlauf um das digitale Geld ist voll entfacht. Es ist davon auszugehen, dass \u00bbFirst Mover\u00ab, insbesondere ressourcen- und reichweitenstarke Projekte wie der nun gestartete digitale Yuan in China oder das Facebook-Projekt Libra in kurzer Zeit eine Vormachtstellung erreichen k\u00f6nnten. Dies k\u00f6nnte vor allem die folgenden Bereiche betreffen: Internationale \u00dcberweisungen, Handel, Transaktionen von Kleinstbetr\u00e4gen in der Industrie, Abwicklung von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten, private \u00dcberweisungen \u00fcber Messenger und soziale Netzwerke.<\/p>\n\n\n\n<p>Europa befindet sich sowohl im technologischen, als auch im finanziellen Spannungsfeld zwischen den globalen Machtpolen USA und China. Auch vor dem Hintergrund der Diskussion um digitale Souver\u00e4nit\u00e4t ist es demnach unabdingbar, dass Europa beim digitalen Euro z\u00fcgig weitere Fortschritte macht und m\u00f6glichst eine Vorreiterrolle einnimmt, um beim Zahlungsverkehr der Zukunft nicht in weitere Abh\u00e4ngigkeiten zu geraten.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":651,"template":"","meta":{"inline_featured_image":false},"kategorie_insights":[21],"class_list":["post-751","insights","type-insights","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","kategorie_insights-digitaler-euro"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights\/751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/insights"}],"about":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/insights"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"kategorie_insights","embeddable":true,"href":"https:\/\/cash-on-ledger.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kategorie_insights?post=751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}